{"id":5400,"date":"2022-04-10T15:28:55","date_gmt":"2022-04-10T13:28:55","guid":{"rendered":"https:\/\/gsalden.folkwang-uni.de\/?p=5400"},"modified":"2022-05-01T04:39:18","modified_gmt":"2022-05-01T02:39:18","slug":"basta","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gsalden.folkwang-uni.de\/index.php\/2022\/04\/10\/basta\/","title":{"rendered":"Basta"},"content":{"rendered":"<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/gsalden.folkwang-uni.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Podcast-GST-Basta.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Schriftart, die ich in diesem Rahmen gern n&auml;her vorstellen m&ouml;chte, ist Georg Saldens &raquo;Basta&laquo;. 1973 entstanden, z&auml;hlt sie neben der Polo zu einer der ersten und gleichzeitig auch bedeutendsten Schriften, die Salden f&uuml;r seine Exklusiv-Partner (per Hand!) zeichnete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug\">Was Georg dem GST Kreis pr&auml;sentierte, war eine Type f&uuml;r Headlines (Basta 3.3), die allgemein betrachtet eher den damaligen Anspr&uuml;chen der &Auml;sthetik entspricht, als dass sie den heutigen Zeitgeist verk&ouml;rpert. Bezeichnend ist die hohe Mittell&auml;nge und der starke Dick-d&uuml;nn-Kontrast zwischen Senkrechten und Waagerechten. Meiner Meinung nach liegt unter anderem darin der Reiz der Headline-Basta. Sie besticht mit ihrer Kombination aus Fettigkeit, akzentuierter Serifenform und der Eigenart eines jeden Buchstabens.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug\">Nach DIN 16518 l&auml;sst sich die Basta der Klassifikationsgruppe der &Uuml;bergangs-Antiqua zuordnen. Eine formalistische Struktur haftet den an sich &uuml;blichen Antiqua-Formen hier jedoch nicht an. Mit weichen Umrissen hebt sich die Basta von den sonst streng scharf geschnittenen Antiqua-Schriften ab.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug\"><br>Die einzelnen Figuren wirken alles andere als steif, im Gegenteil: sie schmiegen sich aneinander. Die seitlich stark gekehlten Ausl&auml;ufe der Stammenden suggerieren Serifen, wodurch die Figuren sehr eng zusammenr&uuml;cken k&ouml;nnen. Vergleichend dazu bleiben die Binnenr&auml;ume relativ breit. Auch die Basta-Versalien weisen keine Serifen im herk&ouml;mmlichen Sinne auf. Waagerechte Rundungen enden in Formen, die &Auml;hnlichkeiten zu einer abgeschnittenen Rundung aufweisen. &bdquo;Imagin&auml;re Serifen&ldquo; w&auml;re eine treffendere Bezeichnung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug\"><br>Was mir an der Basta besonders gut gef&auml;llt, ist die Lebendigkeit, die sie ausstrahlt. Betrachtet man das Minuskel c und e, springt einem sofort deren au&szlig;ergew&ouml;hnlich schwer wirkende Unterkiefer ins Auge. Auch die zur&uuml;ckgebauten f- und j- Schw&uuml;nge sind pr&auml;gend. Spitze, schnabelf&ouml;rmige und ovale Elemente wechseln sich ab und nehmen Einfluss auf die Wirkung der Schriftober- und Unterlinie: vielf&auml;ltig und lebendig! Der medi&auml;vale Touch der Schrift wird unter anderem unterst&uuml;tzt durch den massigen K&ouml;rper des o oder e&rsquo;s sowie durch den schr&auml;gen g-Abgang.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug\">Die Headline-Basta 3.3, die ich gerade beschrieb, wurde 1974 von Georg Salden noch um vier Fettengrade erweitert, und zwar: 3.0, 2.7, 3.6 und 3.9 An dieser Stelle sei erw&auml;hnt, die Ziffer sagt aus, wie stark der Stamm eines Minuskel n im Verh&auml;ltnis zu seiner H&ouml;he ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug\">H&uuml;rden traten auf, als es 1977 darum ging, die GST Basta als Textschrift umzuarbeiten. Ein wesentliches Merkmal der Basta bis dato war ihr ausgepr&auml;gter Dick-d&uuml;nn-Kontrast, welcher bei der Basta als Fotosatzschrift so nicht umsetzbar war. Die d&uuml;nnen Balken bedurften aus drucktechnischen Gr&uuml;nden einer leichten Zulage, w&auml;hrend die fetten Striche im Gegensatz zur Headline-Version um einiges zarter wurden.<br>Die Schwierigkeit bestand darin, die Textschrift so zu gestalten, dass sie f&uuml;r den Anwender trotz des nun fehlenden Kontrasts eindeutig als GST Basta zu identifizieren war.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug\">Statt &bdquo;imagin&auml;rer Serifen&ldquo; sind bei der Textschrift echte, stabile Serifen an den freien Enden der Versal-Rundungen vorzufinden, nach wie vor schr&auml;g ausgerichtet. Ebenfalls wiedererkennbar ist der Wechsel von eckigen und gerundeten Elementen. Von stilistischer Pr&auml;gnanz sind nun vor allem die runden Innenecken, wie etwa beim Z und z. Typische zeilenpr&auml;gende Formen, wie bei c und e, sind nach wie vor erkennbar. Eine optische Korrektur sind die leicht konkav gew&ouml;lbten waagerechten Abschl&uuml;sse der F&uuml;&szlig;chen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug\">Die GST Basta ist eine elegante, fast didonische Schriftfamilie. Insgesamt liegt sie in 9 verschiedenen Schriftschnitten vor: von Basta Leicht sowie Basta Buch &uuml;ber Basta Halbfett, Basta Fett, bis Basta Kapit&auml;lchen Leicht und Basta Kapit&auml;lchen Buch. Au&szlig;erdem drei Kursive Schnitte: Basta Kursiv Leicht, Basta Kursiv Buch sowie Basta Kursiv Halbfett.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug\">An dieser Stelle ist es interessant einen kurzen Vergleich der Kursiven zu den restlichen Schriftschnitten vorzunehmen. In diesem Falle existieren keine Headline-Vorl&auml;ufer, was auch damit zusammenh&auml;ngt, dass sie von Anfang an f&uuml;r den Mengensatz ausgelegt wurde. Georg Salden geht mit der Kursiven freier um, als mit der Hochkantschrift. Er orientierte sich, wie er selbst sagt, stark an seiner jahrelangen kalligraphischen Erfahrung. Die Fu&szlig;schw&uuml;nge bei A und M, oder die Endschw&uuml;nge bei V und W m&ouml;chte ich hier als Beispiele nennen.<br>Die Kursive ergibt ein ruhig flie&szlig;endes Bild wodurch sie sich durchaus f&uuml;r gr&ouml;&szlig;ere Textmengen eignet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug\">Was ihr Zeichenreservoir betrifft, verf&uuml;gt die Basta &uuml;ber den west- und osteurop&auml;ischen Zeichensatz. Ihre Opentype-Funktionen (Expert) umfassen unterschiedliche Ziffernformate: als Basisziffern proportionale gleichhohe Ziffern, au&szlig;erdem Tabellenziffern und medi&auml;vale Ziffern. Auch Br&uuml;che, hochgestellte Ziffern und tiefgestellte Ziffern sowie sprachspezifische Features sind verf&uuml;gbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug\">Abh&auml;ngig davon, ob man sich beim Kauf f&uuml;r OpenType Basic oder OpenType Expert entscheidet, kostet ein Schriftschnitt f&uuml;r die Nutzung durch eine Person 70&euro; beziehungsweise 90&euro;.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schriftart, die ich in diesem Rahmen gern n\u00e4her vorstellen m\u00f6chte, ist Georg Saldens \u00bbBasta\u00ab. 1973 entstanden, z\u00e4hlt sie neben der Polo zu einer der ersten und gleichzeitig auch bedeutendsten Schriften, die Salden f\u00fcr seine Exklusiv-Partner (per Hand!) zeichnete. 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