{"id":5358,"date":"2022-04-10T10:51:42","date_gmt":"2022-04-10T08:51:42","guid":{"rendered":"https:\/\/gsalden.folkwang-uni.de\/?p=5358"},"modified":"2022-05-01T16:38:35","modified_gmt":"2022-05-01T14:38:35","slug":"turbo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gsalden.folkwang-uni.de\/index.php\/2022\/04\/10\/turbo\/","title":{"rendered":"Gordon"},"content":{"rendered":"<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/gsalden.folkwang-uni.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Gordon.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p>Hallo, ich hei&szlig;e Elia Preuss. Ich arbeite als freier Schriftgestalter in Leipzig. Ich spreche &uuml;ber die Schrift &bdquo;Gordon&ldquo; von Georg Salden und dar&uuml;ber warum sie mir besonders gef&auml;llt, was sie auszeichnet und was sie in meinen Augen einzigartig macht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug\">Eine erste Version der &raquo;Gordon&laquo; entstand bereits 1975. Die Entw&uuml;rfe zur heutigen digitalen Fassung entstanden erst sp&auml;ter, zwischen 1983 und 1986.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug\">Die Buchstaben der &raquo;Gordon&laquo; wurden handschriftlich mithilfe einer Rundfeder entworfen. Die Rundfeder erzeugt gleichm&auml;&szlig;ig dicke Striche und runde Strichenden. Die Spuren dieses Werkzeuges sind in der &raquo;Gordon&laquo;  noch deutlich zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug\">&Uuml;berhaupt hat die &raquo;Gordon&laquo; ihre wesentlichen Merkmale der Funktionsweise einer Rundfeder zu verdanken. So erzeugen die gleichm&auml;&szlig;igen Strichbreiten der Schrift besonders dick erscheinende Serifen, das sind die kurzen Striche ober- und unterhalb der meisten Buchstaben. Dieses Merkmal verleiht der &bdquo;Gordon&ldquo; den Charakter einer sogenannten Egyptienne-Schrift, einer Schrift betonten Serifen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug\">Die runden Strichenden der &raquo;Gordon&laquo;  wiederum erinnern an Buchstaben aus dem Schreibmaschinen-Druck, bei dem der besonders grobe Tintenauftrag die Buchstabenr&auml;nder einer Schrift auf charakteristische Weise verschwimmen l&auml;sst und eckige Strichenden abgerundet wirkten.<\/p>\n\n\n\n<p>Anders als Egyptienne- und Schreibmaschinen-Schriften entstand die &raquo;Gordon&laquo; jedoch nicht als konstruierte und gezeichnete Schrift, sondern fu&szlig;t auf handgeschriebenen, unmittelbaren Buchstabenformen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug\">In ihren unmittelbaren Formen liegt auch die &auml;sthetische Qualit&auml;t, die mich an der &raquo;Gordon&laquo; besonders &uuml;berzeugt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug\">Sie stellt eine auf den ersten Blick recht bekannte Schriftart dar, die jedoch durch die unmittelbare pers&ouml;nliche Arbeitsmethode Georg Saldens ganz eigene visuelle Merkmale erhalten hat. Hierzu z&auml;hlen die offenen und weichen Buchstabenformen, wie die Kleinbuchstaben a und e, die aus der h&auml;ndischen Entwurfsweise entstanden. Aber auch die verspielten und organischen Comic-artigen Serifen, die insbesondere in dem Kleinbuchstaben x oder dem Gro&szlig;buchstaben E sichtbar werden, zeichnen die &bdquo;Gordon&ldquo; aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug\">Das geneigte, sogenannte kursive Alphabet der &raquo;Gordon&laquo; stellt eine logische Erweiterung der aufrechten Schrift dar. In ihr werden ihre handschriftlichen Einfl&uuml;sse besonders augenscheinlich.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug\">Die Buchstabenformen der kursiven &bdquo;Gordon&ldquo; sind betont dynamisch und eigenwillig. Sie stehen dadurch deutlich im Kontrast zu denen der aufrechten Variante. Vergleicht man etwa die aufrechten Kleinbuchstaben n, oder auch v, mit ihren kursiven Varianten, stehen relativ strenge Formen betont leichten und flie&szlig;enden Formen gegen&uuml;ber. Trotz dieser Unterschiede halten beide Alphabete zu jeder Zeit eine gemeinsame Formensprache bei und stehen dadurch in einem &auml;sthetischen Spannungsverh&auml;ltnis zueinander.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug\">Diese Kombination, der sehr handschriftlichen Kursiven mit einer stabilen Aufrechten stellt in meinen Augen auch das wesentliche Alleinstellungsmerkmal der &raquo;Gordon&laquo; dar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug\">Die beschriebenen Qualit&auml;ten, einer Konsequenz im gestalterischen Konzept, zusammen mit einer frohen Leichtigkeit, zeichnen die wortw&ouml;rtlich pers&ouml;nliche Handschrift Georg Saldens als Schriftgestalter aus meiner Sicht aus: Sie stellt einen witzigen und spielerischen, aber zugleich pr&auml;ziser Zugang zu den einzelnen Buchstabenformen der lateinischen Schrift dar.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug\">Durch Ludwig &Uuml;beles behutsame &Uuml;bersetzung von Georg Saldens Schriftentw&uuml;rfen in das Digitale, sind diese Qualit&auml;ten auch auf dem Bildschirm noch erhalten geblieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug\">Die &raquo;Gordon&laquo; eignet sich durch ihre drei verschiedenen Schnitte, leicht, normal und fett, inklusive Kursiv- und Kapit&auml;lchen-Alphabete durchaus zu komplexer typografischer Gestaltung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"einzug\">Bei einem Preis von etwa 60 Euro pro Schnitt besitzt sie dar&uuml;ber hinaus alle heute notwendigen Ziffer-Sets und unterst&uuml;tzt die wesentlichen westeurop&auml;ischen Sprachen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, ich hei\u00dfe Elia Preuss. 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